Perfektionismus: Was mich von meinem ultimativen „Ich “ trennt – Eine Arbeitswoche ohne meine größte Effizenzbremse

Perfektionismus: Was mich von meinem ultimativen „Ich“ trennt

Eine Arbeitswoche ohne meine größte Effizenzbremse

Ich liebe Stimmigkeit. Dinge müssen bei mir nicht nur funktionieren, sondern auch schön und stimmig sein. Das kann an Kleinigkeiten scheitern, so dass ich nicht fertig werde oder nicht anfange. Perfektionismus at its best.

Das buero-kaizen.de will mit der „Blogparade“ neue Ansätze gegen Effizienzkiller finden. 5 Tage lang schalten verschiedene Blogger ihre persönliche Bremse aus, die ihnen im Arbeitsalltag regelmäßig Zeit kostet. Und schreiben darüber. Ziel ist es, durch die unterschiedlichen Erfahrungen hilfreichen Input zu sammeln. Ich bin einer der Glücklichen und habe mir die„Perfektionismus-Bremse“ ausgesucht. BIG TIME!

Ist es gut genug?

Perfektionismus bremst mich schon mein Leben lang aus. Ich kann gleich mit diesem Artikel beginnen. Bis ich mich dazu durchgerungen habe, ihn überhaupt zu schreiben. Die ERSTE Kooperation für mich als Blogger. Das MUSS gut werden. Ich DARF die Chance nicht ungenutzt lassen. Wie MACHT man das denn überhaupt? WIE soll ich schreiben. WER will WAS lesen? Erwartungen und Fragen, die mich schon tagelang davon abgehalten haben, überhaupt anzufangen.

Aber bei diesem Projekt geht es ja darum, Perfektionsmus 5 Tage lang auszuschalten. Fangen wir also von vorne an. Was ist Perfektionismus? Wikipedias Definition lautet:

Perfektionismus ist ein psychologisches Konstrukt, das versucht, übertriebenes Streben nach möglichster Perfektion und Fehlervermeidung zu erklären.

Aha. Fehlervermeidung trifft es gut. Ein klares Wort, dass jeder versteht. Auch ich. Mein Leben lang hatte ich da schon mal was vorbereitet. So perfekt wie möglich eingestellt ging es ins nächste Gespräch oder Projekt. Hast du genug Argumente in petto, Jan? Kennst du die Quellen? Wirst du pünktlich sein? Wird man dich mit der Leistung wertschätzen? Bist du damit besser als andere?

Wertung. Angst. Prestige. Es könnte schlimm werden, wenn… Also bloß gut vorbereiten. Alle Eventualitäten bedenken. Im Job hieß das für mich vor allem: rechtzeitig anfangen, gut recherchieren, den angemessenen Ton treffen, nicht zu viel und nicht zu wenig machen, auf die Erwartungen anderer einstellen, pünktlich sein, die Form bewahren, mit jeder Kritik umgehen.

ABER: in der vergangenen Woche habe ich das alles mal ignoriert. Spoiler-Alert: Es hat sehr viel Spaß gemacht und meine Produktivität gefördert!

Wie geht nicht perfekt machen?

Ich habe mich an ein Mini-Coaching erinnert, dass ich im Oktober 2015 gemacht habe. Mein Webdesign-Business (www.webigami.de) kam nicht voran und ich wollte mich weiterentwickeln. Im Coaching ging es um die verschiedenen Ich-Zustände in meinen Kopf, die jeder kennt. Den Kritiker, das Spielkind, den Versorger etc. Ich, ich und ich. Schwieriges Thema, weil das (perfekte) Ego dort gern dominiert. Jedenfalls musste ich die Zustände selber benennen und bewerten. Naiv, wie ich bin, habe ich dem Kindheits-ich gleich mal 11 von 10 Punkten gegeben. Nach dem Motto: DU DARFST ALLES! Ich bin dein größter Fan. Du kommst eh immer zu kurz. Beim Versorger und Kritiker verzog sich meine Miene gleich und mehr als drei Punkte waren nicht drin. Nervig, störend, immer im Weg.

„EINFACH MACHEN!“ Dieser Satz hängt heute noch neben meinem Badezimmer-Spiegel

Mein Coach hat mir dann erklärt, dass alle Ich-Zustände ihre Daseinsberechtigung haben und es meine Aufgabe ist, sie richtig einzusetzen. Verdrängung und Abwertung funktionieren auch hier nicht. Also wurde über den Einsatzzweck diskutiert, bis ich verstanden habe, dass die als negativ empfundenen mich ja auch nur schützen wollen. Die Moral der Geschichte ist, dass ich die Stimmen im Kopf in Einklang bringen muss. Sie bündeln muss, um mein Potenzial abrufen zu können.

Aus der neuen Bewertung habe ich noch einen Leitsatz für die nächsten Wochen entwickelt: „EINFACH MACHEN!“ Dieser Satz hängt heute noch neben meinem Badezimmer-Spiegel und hat mir beim Ausschalten meiner persönlichen Effiziensbremse letzte Woche sehr geholfen. Im Anschluss an das damalige Coaching habe ich übrigens in 3 Monaten mehr Umsatz gemacht als im ganzes vorigen Jahr. Alle Weichen für 2016 wurden dort gestellt und überarbeitet habe ich mich trotzdem nicht. Das war schon ein ganz gutes Gefühl.

Mit Komponenten die Perfektion ausschalten

Wie passend, dass ich gerade erst mit dem Blog sogehtfreiheit.de und dem passenden YouTube-Channel gestartet bin. Somit konnte ich das Büro Kaizen-Projekt gleich dort einfließen lassen. Dem Start gingen natürlich Monate perfektionistischer Recherche, Namensfindung und Konzeption voraus. Bis ich mir gesagt habe: EINFACH MACHEN, Jan! Das WordPress-Theme für die Website hatte ich schon herausgesucht, beim Namen dann einfach endlich mal festgelegt (nach 100 oder mehr Ideen habe ich mich für einen verständlichen, aber auch fordernden Namen „SO GEHT FREIHEIT“ entschieden) und den YouTube-Kanal erstellt. Als (Hintergrund-)Bilder habe ich die letzten im Wald geschossenen iPhone-Bilder verwendet und als globale Schrift für alle Kanäle einfach die vom WordPress-Theme verwendeten Google-Schriften genutzt. Beim Logo wünschte ich mir neben dem Schriftzug auch ein Logo mit Wiedererkennungswert. Dafür habe ich beim Wort „Freiheit“ einfach die Vokale entfernt und einen Punkt hinter die Buchstaben gesetzt. „frht.“ – Zack, bumm bongjour!

Am Ziel angekommen – ob perfekt oder nicht – will man ja eh wieder das nächste…

Bei allem Tatendrang wollte ich aber trotzdem einen entsprechenden Ersteindruck hinterlassen und habe einen emotionalen Video-Trailer erstellt (Link). Allerdings bin ich hier auch pragmatisch vorgegangen:

  1. INTRO: Das iPhone-Video aus dem Wald (Link) wurde in Kombination mit dem neuen Logo und der URL www.sogehtfreiheit.de zum Intro-Video
  2. TEXT: Bei Google habe ich ein Gedicht zum Thema Freiheit gefunden, es etwas angepasst und am Ende noch ein paar Fragen eingebaut
  3. VIDEOS: Die beiden kostenlosen Video- und Bilddatenbanken pexels.com und pixabay.com haben mich mit passenden Videos versorgt
  4. MUSIK: Auf audiojungle.com konnte ich mir für 19 Dollar den Trailer-Sound einkaufen
  5. SCHNITT: Im kostenlosen Video-Programm iMovie für Mac habe ich alles zusammengehackt

Produktivität statt Perfektionismus

Ja, ich hätte die Videos alles selber drehen können. Die Musik produzieren lassen können. Den Text komplett selber schreiben können. Logo und Namen gestalten und erfinden lassen können. Aber dann hätte ich den Trailer, Blog und Kanal heute noch nicht. Glaubt mir… So hat das ganz insgesamt nur ein paar Stunden gedauert. Und dafür kann sich das Ergebnis doch sehen lassen, oder?

Statt Perfektion und (bei mir) daraus folgender Prokrastination habe ich jetzt:

  • einen Blog mit 11 Artikeln
  • eine Facebook-Seite mit 270 Gefällt mir-Angaben
  • einen Instagram-Account mit über 1.000 Followern
  • mittlerweile 19 Videos, über 100 Abos und fast 20.000 abgespielte Minuten bei YouTube
  • grandioses Feedback – ich konnte bereits Menschen helfen
  • wahnsinnig viel Freude und Erfüllung
  • eine sinnvolle Tätigkeit, die meine Arbeit als Webdesigner perfekt ergänzt
  • und für alles kaum Geld ausgegeben

Ich bin überglücklich, die Perfektion nun in einem anderen Licht sehen zu können und mich immer mehr aufs Machen und meine Intuition verlassen kann. Auch dank dieser Projektwoche. Mehr in meiner Energie zu sein. Mehr auf den Weg und weniger auf das Ziel fokussiert. Am Ziel angekommen – ob perfekt oder nicht – will man ja eh wieder das nächste…  Für mich ist die Formulierung eines Leitbildes, eines Nothern Stars mittlerweile viel sinnvoller als die großer Ziele. Und mein aktuelles Leitbild lautet:

Ich möchte die beste Version von mir selbst werden. Basierend auf Liebe, Werten, Mitgefühl und Achtsamkeit. Um in jedem Moment meinen Beitrag zur Gemeinschaft leisten zu können.

Wertvolle Quellen gegen den Perfektionismus

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