Life

Es ist, wie es ist

Und das ist auch gut so

Mein Freund Jonas liebt diese Ausdrücke:

“Es ist, wie es ist.“
“Einer muss es ja machen.“
“Es nützt ja nichts.“

Ich liebe sie auch. Wir nutzen sie beide exzessiv. Insbesondere, wenn wir in einem Raum sind. Sie verbinden uns. Neben ein paar anderen, tiefgründigeren Dinge und einer gesunden Menge Sarkasmus, der uns beide immer wieder zum Lachen bringt.

Die tiefgründigen Themen sind zum Beispiel die Sinnsuche. Selbstoptimierung. Selbstliebe. Selbstverwirklichung. Spiritualität. Dialog. Lernen. Lesen. Zuhören. Lehren. Geld. Erfolg. Liebe. Leben. Genuss. Ruhe. Meditation. Reisen. Sein. Ziemlich VIEL also.

Genau, viel. Wir sind sehr fleißig bei unseren Herzensthemen. Oder zumindest den Themen, die uns wichtig sind. Oder auch einfach mal dringend sind. Dieses Viel kann uns maßlos überfordern. Sehr viele Menschen geilen sich förmlich auf an den Möglichkeiten, die sie heute haben. Und spüren regelmäßig die Überforderung. Dafür muss man ja nicht einmal ins Burnout rutschen. Es reichen auch unnötig verschwendete Energien, die in der Vergangenheit oder Zukunft parken. Anstatt in der so wertvollen, zerbrechlichen Gegenwart – genannt LEBEN.

Aber auch dieser ganze, oft krank machende Stress gehört dazu. Auch der ist, wie er ist. Er dient am Ende dazu, seine Grenzen kennenzulernen. Ängste zu überwinden. Dem eigenen Drang nach Wachstum nachzugehen. Schön ist, wenn man auf diesem Weg die Bewusstheit und Achtsamkeit für sich entdeckt. Dass es mehr gibt, als diese ganzen vermeintlich wichtigen Aufgaben da draußen, die unbedingt und das auch noch in sehr bedeutender und anerkannten Form von uns persönlich erledigt werden müssen. Schafft man es, sich und seinen Tatendrang aus der Vogelperspektive zu beobachten, fallen einem unter Umständen einige Dinge auf. Man entdeckt, dass vieles im Zusammenhang nicht so wesentlich ist, wie es während der Schaffensphase erscheint. Dass es noch andere, wesentlichere Sehnsüchte gibt, denen man viel zu wenig Platz einräumt. Dass man sehr oft zwischen Vergangenheit (Bedauern) und Zukunft (Sorgen) hin- und herreist. Anstatt sich voll und ganz dem Moment zu widmen. Und dem Herzen. Der Seele. Oder sogar beidem.

Aber alles im Leben hat am Ende schon einen Sinn. Das habe ich auf dieser jahrelangen bisher Suche gelernt. Das Lernen. Die Erfolge. Die Niederlagen. Einfach alles. Es macht einen zu dem Menschen, der man heute ist. Deswegen braucht man ja aus meiner Sicht auch seinem jüngeren Ich keinen Rat zu geben. Weil jede Abkürzung und auch jeder Umweg seinen Teil zum heutigen Menschen beigetragen hat. Es lohnt sich trotzdem, immer mal wieder inne zu halten und zu beobachten. Seine Handlungen anzuzweifeln und von Autopilot auch mal wieder auf die manuelle Steuerung zu schalten.

Geht man beispielsweise in die Natur, ist schon alles perfekt. Alles schön. Es gibt keine Erwartungen. Kein Urteil. Keine Meinung von sich oder anderen. Ein Hund ist wie er ist. Ob hässlich oder schön. Ob dreckig oder sauber. Ob stark oder schwach. Krank order gesund. Daraus macht er sich nichts. Sein Verstand lässt das nicht zu. Da können wir mit unserem hochgezüchteten Verstand und unserer ach so großartigen Intelligenz wieder einiges lernen. Bei uns existieren basierend auf Intellekt, Wertung, Meinungen, Rechthaberei, Grenzen und Selbstoptimierung ganze Industrien. In denen es oft um viel Macht und Geld geht. Aber das ist ein Sonderthema.

Heute ist es mal, wie es ist. Keine ständige Selbstoptimierung. Kein neues Video. Kein neues Buch. Mehr zu sich. Mehr von Innen. Einfach mal genug sein. Nicht BESSER werden. Sondern besser WERDEN. Zur (inneren) Ruhe kommen. Dabei ist es okay, dass man sich auch mal sinnlos und leer fühlt. Es wird ganz bestimmt wieder besser. Ich wünsche mir dabei noch mehr Vertrauen ins Leben und in den Weg ansich. Die beiden mal mehr machen lassen, anstatt immer wieder kontrollieren und Macht ausüben zu wollen. Die beiden wissen nämlich schon Bescheid, Schätzelein…

We do not become healers.
We came as healers. We are.
Some of us are still catching up to what we are.
We do not become storytellers.
We came as carriers of the stories
we and our ancestors actually lived. We are.
Some of us are still catching up to what we are.
We do not become artists. We came as artists. We are.
Some of us are still catching up to what we are.
We do not become writers.. dancers.. musicians.. helpers.. peacemakers. We came as such. We are.

Some of us are still catching up to what we are.
We do not learn to love in this sense.
We came as Love. We are Love.
Some of us are still catching up to who we truly are.

– A Simple Prayer for Remembering the Motherlode by Clarissa Pinkola Estes from The Contemplari manuscript ©200

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